Freitag, 23. Oktober 2009

Der junge aufstrebende Pianist

Den ersten Klavierunterricht erhielt Jakob Liebmann Meyer Beer bei Franz Lauska, der den jungen Knaben immerhin so weit brachte, dass er das Klavierkonzert in d-Moll, KV 466 von Mozart öffentlich zum Vortrag brachte. Dies geschah am 14. Oktober 1801 in Berlin. Die Allgemeine Musikalische Zeitung (AmZ) ließ es sich nicht nehmen, dieses Ereignis zu würdigen und so ist in der Ausgabe vom 14. Oktober 1801 zu lesen: "Das vortreffliche Spiel des jungen Bähr, (einem Judenknaben von 9 Jahren) der die schweren Passagen und andere Solosätze mit seiner Fertigkeit bezwingt und einem, in solchen Jahren noch seltnern feinen Vortrag hat, macht das Konzert noch interessanter."
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass auf die jüdische Abstammung Meyerbeers hingewiesen wird.
In der Tat war Meyerbeer der erste jüdische Virtuose der neueren Zeit und zählte zu den hervorragendsten Pianisten des 19. Jahrhunderts. Hummel oder Moscheles zollten ihm den größten Respekt. Nach den Misserfolgen seiner ersten Opern "Jephtas Gelübde" (1812) und "Alimelek" (1813) überlegte Meyerbeer ernsthaft, gänzlich eine pianistische Laufbahn einzuschlagen.
Die stolzen Eltern ließen ihren ältesten Sohn und Stammhalter in Öl malen. Das Notenblatt, das der Sprössling in der Hand hält, ist natürlich eine Komposition von Mozart. Neben Gluck war Mozart das große musikalische Ideal des aufstrebenden Komponisten
Hört Euch das Klavierkonzert von Mozart einmal an! Es lohnt sich allemal! Leider kann ich hier wohl keine Musik einstellen, was sehr bedauerlich ist!

Samstag, 17. Oktober 2009

Pater noster

Meyerbeer wird zumeist in Verbindung mit der so genannten Grand Opéra gebracht. Relativ unbekannt hingegen ist die Tatsache, dass er auch Werke sakraler wie gleichsam geistlicher Natur komponierte. Angefangen von Psalmvertonungen des jungen Komponisten (der auch Mitglied der Berliner Singakademie war), war sein erstes großes Werk das Oratorium - die Lyrische Rhapsodie - "Gott und die Natur", welches ganz aus dem Geiste eines Haydn, Händel oder Hasse daher kommt. Auch etliche Lieder und Romanzen von Meyerbeer sind durchaus der religiösen Aura verhaftet ("Le Moine", "Sonntagslied", "Gebet des Trappisten" u.a.)
Zu seinen reifsten Kompositionen zählen das 1857 komponierte Pater noster, der 91. Psalm aus dem Jahre 1853 (für den Domchor zu Berlin komponiert - eine Auftragskomposition Friedrich Wilhelm IV) und das zu Herzen gehende Bußlied mit den Anfangszeilen "Unauslöschbarer Glanz", welches auf einen Text von Pierre Corneille basiert (L'Imitation de Jésus Christ)
Es wäre beglückend, wenn Musik von Meyerbeer wieder aus begeisterten Kehlen strömen könnte. Vielleicht sollten wir einen Meyerbeer-Chor gründen?